Erstnachweise
Die seit Beginn der 90er Jahre deutlich intensivierte faunistische Arbeit in Ostwestfalen-Lippe liefert jährlich umfangreiche neue Funddaten. Immer wieder werden auch Arten festgestellt, die lange als verschollen eingestuft waren bzw. die erstmalig in der Region festgestellt werden. Ob diese Arten in früheren Jahren aufgrund mangelnder Erfassungsintensität übersehen worden oder neuerliche Nachweise als Indiz für eine Arealausweitung zu sehen sind, bleibt in vielen Fällen unklar. Nachfolgend werden Erstnachweise (ab 2008) aus der Gruppe der Stechimmen für die Region Ostwestfalen-Lippe vorgestellt.
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- Fundort von Agenioideus sericeus
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- Sanddüne im NSG Boomberge bei Harsewinkel
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Bereist im Jahr 2009 konnte SAURE im Rahmen einer Stechimmenerfassung in verschiedenen Herforder Naturschutzgebieten die Wegwespe Agenioideus sericeus im NSG Doberg bei Bünde nachweisen. Bis dahin war diese Art nicht aus Ostwestfalen-Lippe bekannt. Nachweise in Nordrhein-Westfalen stammten bis dato ausschließlich aus den wärmebegünstigen Bereichen (Rheinland). Vermutlich ist der aktuelle Nachweis dieser Art ebenfalls als Indiz für eine Arealausweitung nach Nordwesten zu werten. SCHMID-EGGER & WOLF (1992) stufen Agenioideus sericeus> als Kulturfolger ein. Sie ist nicht selten an besonnten Hauswänden und Trockenmauern anzutreffen, besiedelt aber auch warme Waldränder, Abgrabungen und Steinbrüche. Die Nester werden in vorgefundenen Hohlräumen angelegt. Als Brutnahrung dienen, wie bei allen nichtparasitischen Wegwespen, Spinnen.
Am 24.04.2010 konnte ein Männchen der Wespenbiene Nomada moeschleri im NSG Boomberge bei Harsewinkel von SCHLICHTING beim Blütenbesuch an Taraxacum nachgewiesen werden. In NRW wurde diese Art zuletzt vor über 60 Jahren im Süderbergland festgestellt, weshalb sie in der vor Bekanntwerden des neuerlichen Nachweises erschienen aktuellen Roten Liste für NRW (ESSER et al. 2010) als Ausgestorben eingestuft wurde. Wirt der in Süd- und Ostdeutschland häufiger auftretenden Art ist die kommune Sandbiene Andrena haemorrhoa.
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- Weibchen von Chrysis longula
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- Nisthilfe als Fundort von Spilomena beata
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Am 02.06.2009 konnte an zwei verschiedenen Stechimmen-Nisthilfen in Gärten (Verl, Bielefeld-Ummeln) jeweils ein Weibchen der Goldwespe Chrysis longula nachgewiesen werden. Als Art der bisher schwer zu bestimmenden Chrysis ignita-Gruppe wurde/wird C. longula vermutlich häufig mit anderen Arten aus dieser Gruppe verwechselt oder synonymisiert. Aus OWL lagen bisher keine Nachweise von C. longula vor, DATHE et al. (2001) war die Art aus Nordrhein-Westfalen noch nicht bekannt. SMISSEN (2001) nennt als die solitäre Faltenwespe Ancistrocerus antilope als Wirt, nach eigenen Beobachtungen aus dem Alpenraum tritt C. longula auch bei der solitären Faltenwespe Euodynerus quadrifasciatus als Parasitoid auf. Beide Arten kommen in OWL vor, wurden bisher jedoch nur sehr selten festgestellt.
Bei der Bestimmung von Stechimmen aus Bodenfallen, die von BUCHOLZ in den Jahren 2006-2008 zur Erfassung von Spinnen im NSG "Moosheide" in der Senne betrieben wurden, konnte in einer Falle ein Weibchen der Grabwespe Miscophus spurius aufgefunden werden. Es wurde innerhalb eines etwa einmonatigen Fangintervalles vor der Fallenleerung am 17.06.2007 gefangen. Der Zeitpunkt des Erstnachweises liegt also schon zwei Jahre zurück. Bei dem Fundort handelt es sich um eine kleine vegetationsarme Sandfläche, auf der schon im Rahmen einer umfangreichen Bearbeitung der Stechimmen des NSG durch VENNE & BLEIDORN (2005) [pdf 5,1 MB] zahlreiche anspruchsvolle Stechimmenarten festgestellt werden konnten. Bisher lag aus ganz NRW kein gesicherter Nachweis der psammophilen Art vor (DATHE et al. 2001). Der aktuelle Nachweis legt die Vermutung nahe, dass Miscophus spurius auch in ähnlichen Lebensräumen des hinsichtlich seiner Grabwespenfauna bisher lediglich sporadisch untersuchten Truppenübungsplatzes Senne vorkommt.
Am 01.07.2009 konnte an einer künstlichen Nisthilfe für totholz- und stängelbewohnende Stechimmen am Schulbauernhof in Bielefeld-Ummeln erstmals die winzige totholznistende Grabwespe Spilomena beata für OWL festgestellt werden. Wie die beiden anderen bisher in OWL nachgewiesenen Spilomena-Arten (Spilomena enslini und Spilomena troglodytes) verproviantiert auch Spilomena beata ihre Brutzellen mit Thysanoptera-Larven. Aufgrund ihrer geringen Größe wurde Spilomena beata in OWL bisher wahrscheinlich lediglich übersehen. Vermutlich ist hier auch mit dem Nachweis weiterer Spilomena-Arten zu rechnen.
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- Nisthilfe in einem Ziergarten in Verl
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- Weibchen der solitären Faltenwespe Symmorphus murarius
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- NSG "Doberg" bei Bünde - Fundort von Hylaeus gracilicornis und Hylaeus paulus
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- Weibchen der Furchenbiene Halictus quadricinctus
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- Fundort Halictus quadricinctus
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- Fundort von Nomada castellana, unweit des Steinbruchs wurde auch Osmia tridentata nachgewiesen
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Am 03.06.2008 konnte an einer Stechimmen-Nistwand im Garten des Naturschutzzentrums Senne in Hövelhof-Riege (Kreis Paderborn) ein Männchen der Goldwespe Chrysis inaequalis festgestellt werden. Diese bundesweit als gefährdet eingestufte Goldwespe wurde in Nordrhein-Westfalen letztmalig vor 1980 nachgewiesen und ist vornehmlich in den südlichen und östlichen Bundesländern verbreitet (DATHE et al. 2001). In Ostwestfalen-Lippe fehlten Nachweise bisher vollständig. Die anhand der gezähnten Mittelbrustseiten leicht bestimmbare Art tritt vermutlich bei Osmia-Arten als Parasitoid auf (LINSENMAIER 1997). Diese Bienen-Gattung ist an der besagten Nistwand durch Osmia bicornis (= O. rufa), O. caerulescens, O. leaiana und O. niveata vertreten. KUNZ (1994) gibt als Wirt außerdem die solitäre Faltenwespe Eumenes coarctatus an.
Die aufgrund ihrer Körpergröße recht auffällige solitäre Faltenwespe Symmorphus murarius wurde in Nordrhein-Westfalen zuletzt vor 1950 im Raum Coerde bei Münster nachgewiesen (WOYDAK 2006). Symmorphus murarius war früher auch in allen nördlichen Bundesländern verbreitet, ist in Schleswig-Holstein, Mecklenburg-Vorpommern, Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen jedoch schon seit mehreren Jahrzehnten nicht mehr festgestellt worden (DATHE et al. 2001) und ist bundesweit als stark gefährdet eingestuft. Umso bemerkenswerter ist ein aktueller Nachweis der Art an einer Nisthilfe in einem Garten in Verl (Kreis Gütersloh). Der erste Nachweis eines Weibchens an der Nisthilfe stammt vom 27.05.2008. Bei einer späteren Kontrolle am 10.06.2008 konnten gleichzeitig bis zu vier Weibchen bei der Nestanlage beobachtet werden. Insgesamt wurden hier im Jahr 2008 ca. 20 Nestgänge von Symmorphus murarius in etwa 9mm starken Bohrlöchern angelegt. Das massive Auftreten legt die Vermutung nahe, dass die Faltenwespe hier schon im Vorjahr genistet hat. Als Larvennahrung werden Larven von Blattkäfern (Gattung Chrysomela) eingetragen.
Die kleine Maskenbiene wurde für Ostwestfalen erstmalig im NSG "Doberg" bei Bünde festgestellt. Ein Männchen besuchte am 18.06.2008 zusammen mit zahlreichen Männchen der ähnlich großen Maskenbiene Hylaeus gredleri die Blüten von Giersch (Aegopodium podagraria). Hylaeus gracilicornis nistet in trockenen markhaltigen Stengeln (z.B. Brombeere) und weist hinsichtlich ihrer besiedelten Lebensräume eine weite ökolische Valenz auf (WESTRICH 1990). Weshalb die Art in Ostwestfalen-Lippe derartig selten gefunden wird, ist unklar. Da Nachweise aus nördlichen Bundesländern offensichlich fehlen (Schleswig-Holstein, Mecklenburg-Vorpommern) (DATHE et al. 2001), liegt die Vermutung nahe, das auch bei dieser Art klimatische Faktoren ausschlaggebend sind.
Hylaeus paulus ist nah mit Hylaeus gracilicornis verwandt und ist dieser Art sehr ähnlich. Auch Hylaeus paulus konnte für Ostwestfalen erstmalig im NSG "Doberg" bei Bünde festgestellt werden. Ein Weibchen wurde hier am 29.07.2008 beim Blütenbesuch an Acker-Witwenblume (Knautia arvensis) registriert. Nach DATHE et al. (2001) handelt es sich dabei um den Erstnachweis aus Nordrehin-Westfalen. Auch diese Art fehlt in den nördlichen Bundesländern (Schleswig-Holstein, Mecklenburg-Vorpommern).
Von der in allen Bundesländern nachgewiesenen Furchenbiene (DATHE et al. 2001) fehlten Nachweise aus Westfalen bisher vollständig. Altnachweise stammen aus dem Rheinland. Am 23.05.2008 konnte ein Weibchen im Bereich eines großen Abgrabungsgeländes bei Porta Westfalica beim Blütenbesuch an Hieracium pilosella festgestellt werden. Halictus quadricinctus ist bundesweit als gefährdet eingestuft.
Auch für die wenige Millimeter große Wespenbiene Nomada castellana sind für Nordrhein-Westfalen keine aktuellen Nachweise publiziert. Über 50 Jahre alte Nachweise stammen aus dem Kreis Siegen-Wittgenstein. Am 22.05.2008 konnte ein Weibchen der Art auf einem großräumigen Steinbruchgelände in Künsebeck (Kreis Gütersloh) gefangen werden. Die Wirtsbindung der parasitisch lebenden Art ist noch nicht zweifelsfrei geklärt. Als Wirte werden Sandbienen aus der Andrena minutula-Gruppe vermutet. Häufigste Art dieser Gruppe in dem besagten Steinbruch ist Andrena strohmella, desweiteren kommen A. minutula, A. minutuloides, A. subopaca und A. semilaevis (= A. saundersella) vor.
Am 02.07.2008 konnte ein Weibchen von Osmia tridentata in Halle-Künsebeck an der Kalkstrasse, direkt unterhalb eines Sickerwassersammelbeckens festgestellt werden. Der Fundort gehört formal zur ehemaligen Mülldeponie, nicht zum NSG "Hellberg". In einem Bereich mit mehreren großen Exemplaren von Lathyrus sylvestris, konnte das Osmia tridentata-Weibchen zusammen mit der der Blattschneiderbiene Megachile ericetorum beim Blütenbesuch an dieser Pflanze beobachtet werden. Obwohl sich bei DATHE et al. (2001) kein Nachweis der Art für Nordrhein-Westfalen findet, dürfte Osmia tridentata hier aus dem südwestlichen Rheinland bekannt sein (In SCHMID-EGGER et al. 1995, Seite 149: Neue Funde in Nordrhein-Westfalen (RISCH unpubliziert) weisen auf Populationen nördlich des Mittelgebirgsrandes hin). LÖBF (2004) führen die Art für Nordrhein-Westfalen auf. In den nördlichsten Bundesländern (Niedersachsen, Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern) fehlt die bundesweit als gefährdet eingestufte Mauerbiene bisher weitgehend. Lediglich in Niedersachsen wurde Osmia tridentata bereits Anfang der 1990 Jahre von einem Fundort bekannt (Mergelgruben bei Höver (Hannover), SCHMITZ schriftl.). Osmia tridentata ist eine wärmeliebende Offenlandart, sie besiedelt Ruderalstellen trockenwarmer Standorte. Die Brutzellen werden in selbstgenagten Hohlräumen markhaltiger Stängel (vornehmlich Königkerze, aber auch Brombeerranken) angelegt. Einzeln stehende Stängel werden bevorzugt. Osmia tridentata ist oligolektisch auf Fabaceen spezialisiert. Von den bisher nachgewiesenen Pollenqellen finden sich viele auf der ehemaligen Mülldeponie: Lotus corniculatus**, Onobrychis viciifolia*, Medicago sativa*, Melilotus albus**, Lathyrus pratensis*, L. sylvestris*, L. tuberosus*, daneben noch gelegentlich Echium vulgare** (Boraginaceae) (** sehr häufig bis große Bestände, * kommt vor - einzelne Exemplare bis häufig).